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CEE eProcurement Summit 2017: Beschaffung im Wandel

Zwölf Referenten und über einhundert Teilnehmer aus sieben Nationen haben sich beim CEE eProcurement Summit 2017 am 6. April 2017 im slowakischen Samorin über aktuelle Themen zu Beschaffung und Digitalisierung des Einkaufs ausgetauscht. Bei aller Vielfalt zeigte sich schnell: die Herausforderungen, vor denen Einkäufer und Beschaffungsexperten in Rumänien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn sowie Polen, Österreich und Deutschland stehen, sind weitestgehend dieselben.

Zum Auftakt der Veranstaltung stellte Mercateo Vorstand Dr. Sebastian Wieser dem Plenum die neue Vernetzungsplattform Mercateo Unite vor. Sie entstand aus einem Lernprozess über viele Jahre, die Mercateo als Marktplatz aktiv war: „Früher dachte man, dass nur die Preise relevant seien“. Doch langfristig ergab sich aus dieser Haltung ein Problem: Manche Bedarfe können nur durch Spezialisten gedeckt werden, dabei wird der Preis irrelevant und die Fähigkeit zur Kommunikation gewinnt an Bedeutung: „Dann gilt es, diese kleinen Anbieter zu digitalisieren und verfügbar zu machen. Das ist allerdings meist für einzelne Unternehmen nicht wirtschaftlich zu lösen.“ Mercateo Unite bietet auch diesen Firmen einfachen Zugang zu digitalen Diensten.

 
Einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Länder in Mittel- und Osteuropa gab Prof. Dr. Péter Ákos Bod, Wirtschaftsexperte und ehemaliger Gouverneur der Ungarischen Nationalbank. Seiner Meinung nach sind es nicht nur die Herausforderungen der Digitalisierung, sondern auch die großen Wanderungsbewegungen, durch die Länder wie Ungarn, die Slowakei, Polen und die Tschechische Republik einen immensen Schwund an Einwohnern kompensieren müssen. Hier ansässige Unternehmen müssen zudem Strategien entwickeln, um Währungsschwankungen zu kompensieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Digitalisierung, Transformation, Wandel – Beschaffung ändert sich

Wesentliche Themen für die Beschaffung und die Transformation des Einkaufs waren die Einführung von eProcurement-Systemen, wie sie beim Energieversorger innogy in der Tschechischen Republik umgesetzt wurde. Dazu erklärte Milos Olejnik, wie die tschechische Tochter des Unternehmens von der Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft profitiert. Gleichzeitig muss innogy flexibel genug bleiben, um besondere Anforderungen für den eigenen Markt abbilden zu können. Eine Herausforderung, die auch Erika Hackenberger, Einkaufsleiterin bei T-Systems Hungary, meistern muss. Sie hat bei der Telekom-Tochter T-Systems in Ungarn ein Procurement-System eingeführt und binnen fünf Jahren strukturierte Einkaufsprozesse geschaffen.

Welches Potenzial sich entfalten kann, sobald Unternehmen ihren Einkauf digital unterstützen und damit Transformation zulassen, berichtete Katarzyna Cichoń von KPMG Polen. Das Beratungsunternehmen hatte eine Einkaufsstudie unter polnischen Unternehmen durchgeführt. Darin wurde deutlich, dass sie durch die Digitalisierung der Beschaffungsprozesse vor allem bei der Beschaffung von indirektem Material wesentlich mehr Zeit für Kooperationen mit Anbietern zur Verfügung haben. „Etwa 71 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich Lieferanten nach dem Innovationspotential aussuchen“, erläuterte Katarzyna Cichoń.

Daten als Grundlage für Entscheidungen auch im Einkauf essentiell

Ein wesentlicher Schritt bei der Optimierung des Einkaufs ist die Erfassung von Prozesskosten. Wie genau das gelingen kann, berichtete Benjamin Storm, Partnermanager bei Mercateo. Er stellte eine Studie vor, mit der das Unternehmen in Deutschland tätige Einkäufer und Beschaffungsspezialisten nach ihren individuellen Beschaffungsprozessen befragt hatte. Die Ergebnisse lieferten den Anwesenden interessante Einblicke, die sich auch auf die jeweiligen Länder übertragen lassen.

Mit Professor Elmar Holschbach von der Fachhochschule Südwestfalen und Marlene Grauer wurde die Vortragsreihe des Tages beendet. Holschbach stellte in seiner Präsentation mögliche Abrechnungsmodelle für die Beschaffung vor, etwa pay-per-use-Modelle, bei denen eine Maschine nach der Nutzung abgerechnet wird und nicht mehr fest gekauft wird. Außerdem zeigte er sich überzeugt, dass Einkäufer in Zukunft auch andere Fertigkeiten beherrschen müssen: „Es ist denkbar, dass wesentlich mehr Kenntnisse in Statistik verlangt werden, um Regressionsanalysen machen zu können.“
Marlene Grauer, die für den deutschen Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME e. V.) als internationale Projektmanagerin tätig ist, stellte dem Publikum die Arbeit des Verbandes vor und zeigte Möglichkeiten auf, mit denen Unternehmen aus der Region Mittel-Osteuropa Kooperationen zu Geschäftspartnern nach Deutschland eingehen können.

Die Teilnehmer der Konferenz zeigten sich durchweg positiv und waren sich einig, dass die Veranstaltungsreihe unbedingt fortgesetzt werden sollte, da sie in Mittel- und Osteuropa einmalig ist. Initiator Andrej Ürge, Country-Manager bei Mercateo, dazu: „Wir sind vor vier Jahren in den Markt eingestiegen und haben ein vergleichbares Forum gesucht, aber nicht gefunden. Also haben wir entschieden, einfach selbst so eine Veranstaltung zu organisieren.“ Nach dem erfolgreichen Debut ist eine Fortsetzung im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich.

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